Der Herbst mit seinen Stürmen und der nass-kalte Winter bringen lästige Erkältungskrankheiten mit sich. Dunkelheit, trockene Heizungsluft, wenig Bewegung im Freien und in der Folge trockene Schleimhäute und der zunehmende Winterblues komplettieren das Unwohlsein zu dieser Zeit.
Aber es gibt Rettung! Erfahre mehr über einfache ayurvedische Hausmittel bei Husten und Erkältungskrankheiten und bereite dir wohlig duftende Dampfinhalationen zu.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Husten kann körperliche, umweltbedingte und psychische Ursachen haben.
- Vata-, Pitta- und Kapha-Husten haben unterschiedliche Symptome und Behandlungsansätze.
- Ayurvedische Hausmittel wie Kopfdampfbäder und Hustenkugeln können helfen.
- Prana-vaha-srotas sind die atemführenden Körperkanäle im Ayurveda.
Was ist eigentlich Husten?
"Kasa" – so lautet der allgemeine Sanskritbegriff für Husten. Er lässt sich in etwa übersetzen als: „druckvolles Ausatmen, das mit dem Geräusch eines zerbrechenden Bronzetopfes einhergeht". Und klingt auch ausgesprochen so wie ein fieser Husten. Kasa!
Husten als Schutzfunktion
Husten ist zwar lästig, da er anstrengend und schmerzhaft sein kann, erfüllt aber meistens eine wichtige Schutzfunktion. Der Schutzreflex unseres Körpers dient dazu, beispielsweise Fremdkörper, Staubpartikel oder Schleim aus den Atemwegen hinauszubefördern. Die Bewegungsrichtung geht nach oben (udana-vata), um das Atemorgan von Sekreten und Krankheitserregern zu reinigen.
Eine gesunde Lunge reinigt sich selbst
Die Schleimhäute produzieren – wie der Name schon sagt – Schleim, welcher von Millionen kleiner Flimmerhärchen nach oben abtransportiert wird und entweder ausgeworfen oder geschluckt und damit zerstört wird. Ist die Schleimhaut angegriffen, beispielsweise durch eindringende Erkältungsviren, funktioniert das natürliche Reinigungssystem nicht mehr.
Husten im Ayurveda
In der ältesten Schrift des Ayurveda, der Caraka Samhita, werden verschiedene klassische Ursachen für Husten beschrieben. Interessant hierbei ist, dass es nicht nur körperliche und umweltbedingte, sondern auch psychische Ursachen für Husten zu geben scheint.
Ursachen für Husten im Ayurveda
- Trockene Nahrung, trockenes Klima
- Körperliche Überanstrengung
- Rauch, Pollen, Staub, Abgase
- Unterdrückung natürlicher Körperbedürfnisse
- Regelmäßiger, langer Tagesschlaf
- Einatmen von Fremdkörpern
- Traumata und Auszehrung
Wichtig: Für eine erfolgreiche Behandlung ist die Ergründung der Ursache und wenn möglich die Vermeidung derselben entscheidend.
Der Organismus aus ayurvedischer Sicht: Srotas
Die Ayurvedamedizin beschreibt den Körper als psycho-physiologisches Beziehungsgeflecht. Die kleinsten Leitbahnen und Transportsysteme im Organismus nennt man Srotas. Es gibt 13 verschiedene Körperkanäle, die unseren Körper durchlaufen und ganze Organsysteme darstellen.
Darunter fallen die drei Kanäle für die Aufnahme und Verteilung von Wasser, Atmung und Nahrung. Sieben Srotas für Gewebe (Plasma, Blut, Muskelgewebe, Fettgewebe, Knochengewebe, Knochenmark, Fortpflanzungsgewebe). Sowie drei Kanäle, die für die Entsorgung körpereigener Abfallprodukte zuständig sind.
Prana-vaha-srotas: Hier fließt der Atem
Die Ayurvedamedizin beschreibt Husten als Funktionseinschränkung der Lunge und jener Körperkanäle, die Atemluft befördern. Diese atemführenden Körperkanäle heißen „prana-vaha-srotas".
Prana ist die Atmung, die Lebensenergie, die durch die Atemorgane Luftröhre, Lunge, Bronchien, Schleimhaut und Flimmerhärchen in den Körper fließt. Liegt eine Störung in jenen Srotas vor, kommt es zu eingeschränkter oder vermehrter Atmung, Schmerz, oder Geräuschen (rasseln, knacken, etc.).
Eine ayurvedische Husten-Therapie konzentriert sich hauptsächlich auf die Regulierung und Reinigung der prana-vaha-srotas.
Das Dosha bestimmt die Hustenart
Das den Husten dominierende Dosha entscheidet die Hustenform und dementsprechend die Therapie. Wie jeder Erkrankung ordnet die Ayurvedamedizin auch jeder Hustenart ein Dosha zu. Das jeweilige Dosha dominiert die Symptomatik und gibt die Richtung der Behandlung an. Ziel ist, das Dosha auszugleichen und nicht nur die Symptome zu bekämpfen.
Vata-Husten
- Trockener Husten, unproduktiv und schmerzhaft
- Heiserkeit durch den unproduktiven Husten
- Kopf- und Brustschmerzen
- Kraftlosigkeit und Schwächegefühl
Pitta-Husten
- Husten mit eitrigem, gelblichem Auswurf
- Oft mit Fieber und Rötung des Kopfes
- Teilweise mit Blutbeimengungen
- Durst, Brennen in der Brust, bitterer Geschmack
Kapha-Husten
- Husten mit sehr schleimigem hellem Auswurf
- Rasselnde Atmung, teilweise asthmatisch
- Schweregefühl im ganzen Körper
- Zäher Schleim auf der Mundschleimhaut
- Appetitlosigkeit
Was tun bei Husten? Ayurvedische Rezepte und Hausmittel
Die frühen Symptome kennt jeder: meist kündigt sich der Husten mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden an. Dann folgen ein paar klassische Schnupfentage mit laufender oder verstopfter Nase, teilweise begleitet von leichtem Fieber. Hier sollte man den Körpersignalen folgen, Ruhe in den Alltag einkehren lassen und sich schonen.
Kopfdampfbad – Allgemeine schleimlösende Therapie
Für alle Kasa-Typen geeignet
Die allgemeine Therapie bei allen Kasa-Typen dient der Regulierung und Reinigung von prana-vaha-srota mit dem schönen altmodischen Kopfdampfbad mit Ajowain. Es wirkt schleimlösend, entzündungshemmend und beruhigend.
Das brauchst du
- 1 EL zerstoßenen Ajowain (Königskümmel)
- 1 Schüssel dampfend heißes Wasser
Schritt für Schritt
- Den Kopf über die Schüssel halten und mit einem Handtuch abdichten.
- Ca. 10 Minuten durch Nase und Mund inhalieren. Taschentücher bereithalten.
Salzwickel – Bei trockenem Husten
Speziell für Vata-Kasa
Bei Vata Kasa, also trockenem, sich nicht lösendem Husten, hat sich vor dem Inhalieren eine Salzauflage bewährt.
Das brauchst du
- 2 EL feines Steinsalz
- 2 EL Sesamöl
Schritt für Schritt
- Zusammen in einer kleinen Schüssel zu einer Paste rühren.
- Die Salz-Öl-Paste auf die Bronchien streichen (zwischen Hals und Brustbein) und ein dünnes Baumwolltuch darüber legen.
- Dann ein kleines Handtuch und darauf eine nicht zu volle, nicht zu heiße Wärmflasche.
- 10-15 Minuten liegen bleiben. Danach wird inhaliert.
Hustenkugeln Eladi vati
Für alle Kasa-Typen geeignet
Bei allen Husten-Arten bieten sich zusätzlich selbstgemachte Husten-Kugeln an, die man über den Tag verteilt zu sich nimmt.
Das brauchst du
- 10 g Zimt (Tvak)
- 5 g Kardamom (Ela)
- 15 g Langer Pfeffer (Pippali)
- 5 g Nelken
- 40 g Süßholz (Yastimadu)
- 40 g Vollrohrzucker oder Kokosblütenzucker
- 40 g Rosinen (ungeschwefelt)
- 40 g weiche Datteln
Schritt für Schritt
- Das Pulver mit dem fein gemahlenen Zucker und den fein geschnittenen Früchten zu einer Masse kneten.
- Anschließend kleine Kügelchen formen.
- Diese können zusätzlich noch in einer Zimt-Kardamom-Mischung gerollt werden, damit sie nicht aneinanderkleben.
Dosierung: Je nach Größe der Kugeln (0,5-1g) nimmt man 5-15 Stück am Tag zu sich.
Tipp: Bei Entzündungen im Hals-Rachenbereich können den Kügelchen noch 5 g Curcuma hinzugefügt werden.
Selbstgemachter Hustensirup mit Ingwer und Zitrone
Bei Vata- und Kapha-Kasa
Bei Vata- und Kapha-Husten bietet sich der scharfe Hustensaft an.
Das brauchst du
- 100 g unbehandelte Bio-Zitronen
- 100 g frischer Ingwer
- 3,2 l Wasser
- Zucker (Vollrohr-, Dattel- oder Kokosblütenzucker) im Verhältnis 1:1
- Gewürze: Zimt, Kardamom, Nelken, Pfeffer
Schritt für Schritt
- Zitronen und Ingwer klein schneiden und über Nacht in Wasser einweichen.
- Am Morgen ausdrücken, die Flüssigkeit durch ein Sieb abgießen und 1:1 mit Zucker so lange köcheln, bis das Wasser zur Hälfte verdampft und ein dickflüssiger Sirup entstanden ist.
- Mit Zimt, Kardamom, Nelken und Pfeffer würzen. In Flaschen füllen, gut verschließen und kühl lagern.
Achten auf Ernährung und Lebensstil
Allgemein gilt: Rauchen, Stress und der Aufenthalt in der Kälte sind selbstverständlich der Genesung abträglich. Ein Spaziergang im Wald, Atemübungen und Meditation fördern die schnelle Genesung. Achte auf deinen Körper und schalte einen Gang runter.
Empfohlene Ernährung bei Husten
Die Ernährung sollte bei Husten und Erkältungskrankheiten warm sein und viele Gewürze enthalten.
Besonders empfehlenswerte Gewürze: Zimt, Kardamom, Kurcuma, Ingwer, Asafoetida, Kubeben-Pfeffer, langer Pfeffer, Galgant, schwarzer Pfeffer, Nelken
Zu vermeiden: Kalte Getränke, kalte, trockene, saure und schwere Nahrungsmittel. Joghurt oder harter Käse sind beispielsweise nicht zu empfehlen.
Pranayama und ein regelmäßiger, ruhiger Lebensstil sind zuträglich.




